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Meine Lehrstunde

Unser Kolumnist lernt einen Kollegen kennen und lernt von einem SVP-Politiker. Zudem urteilt er, wieder einmal, streng.

Sehr roter Teppich mit (ehemaliger) Schönheitskönigin und Kolumnisten.

Vergangene Woche war ich in St. Moritz. Zuvor fand in Zürich, im Restaurant «Kindli» (das ich auch empfehle, weil es dort fein riecht – Duftkerzen von Geodesis), das Weltwoche-«Neujahrsessen» statt. Wenn man nicht richtig zu der Redaktion gehört, wie MvH, nimmt man einen Tisch, an dem noch keiner sitzt. Ein Kollege, den ich in den vergangenen siebzehn Jahren (ich schreibe seit 1994 für die Weltwoche) bloss ein paarmal gesehen habe, setzte sich auf den Platz neben mir und stellte sich vor: Urs Paul Engeler. Danach stellte sich der, der in der Zwischenzeit ebenfalls an meinen Tisch gekommen war, vor: Roger Köppel. Das war nicht ernst gemeint, mein Verleger und ich kennen uns. Engeler fragte, wer wem das Du anbieten dürfe – der Ältere dem Jüngeren oder der Wichtigere dem anderen? Das fand ich nett, sagte aber dennoch: «Der Ältere» (er ist 65, jetzt duzen wir uns, ich mag ihn). Alex Baur, dessen Artikel ich lese und gut finde, sass rechts von mir; über seine Kleidung schreibe ich nichts dieses Mal, weil Witze durch Wiederholung nicht besser werden.

Weiter hatte ich eine Einladung zu dem «Winter-Season-Opening» der Miles Davis Music Lounge im «Kulm» in St. Moritz (zirka vierzig Konzerte, donnerstags bis samstags, und das ist wirklich eine gute Leistung: Dem Direktor eines Fünf-Sterne-Hotels ein so grosses Entertainment-Programm zu verkaufen. Ich meine, das Haus ist voll, wenn es voll ist - trotz, nicht wegen, Jazzmusik). Mit Festival da Jazz-Direktor Christian Jenny bin ich, nur zum Sagen, bekannt seit Anfang neunziger Jahre (er hielt damals einen Auftritt von George Gruntz im Haus der Kirchgemeinde Witikon ab, glaube ich). Wir trafen uns im «Riesbächli» in Zürich, wo in der Mehrheit mittelalte Männer essen gingen, die die Kosten von der Firma rückerstattet erhielten . . . Those were the days, ich meine, heute muss man Chefredaktions-Mitglied sein und den Präsidenten der Nationalbank treffen, damit man in ein «Gault Millau»-Restaurant einladen darf (ausser man arbeitet für die Weltwoche); damals war die Ausgangslage «Volontär befragt jüngsten Konzertveranstalter des Landes» gut genug (für den Sonntagsblick wenigstens). Das Essen im Restaurant mit Namen «K» im «Kulm» verbrachte ich zwischen Daniela Spuhler-Hoffmann und Karin «Prinzessin» zu Schaumburg-Lippe sitzend. Viel gelernt habe ich von Peter Spuhler. Er fragte: «Wie wird man Prinzessin?», und Karin (née Grundmann), mit der ich zuvor nicht bekannt war, antwortete, verkürzt, dass Waldemar Prinz zu Schaumburg-Lippe sie geheiratet habe vor einigen Jahren und sie seither, obwohl von ihm geschieden, sich so nennen dürfe. Keine breaking news, ich weiss, aber ich wusste bisher nicht, wie man diese Frage stellen kann, dass alle am Tisch verstehen: «Wie wird eine wie du Prinzessin?» (alle ausser die, die es angeht). Danach spielte «Hammond organ-Gigant» (Einladungstext) Joey DeFrancesco; über den Auftritt schreibe ich nicht, weil ich Jazz nicht besonders mag und nichts davon verstehe. Und weil ich bereits einen Bericht über ein Konzert von ihm veröffentlichte, im Blick, vor Jahren, als ich Jazz-Kritiker der Zeitung war (ich hatte bei der Redaktionskonferenz gewusst, wer Ornette Coleman war – als Einziger). Das war nicht gelogen, im Blick erschienen zu dieser Zeit Texte über Jazz, weil das die Leiterin des Kultur-Ressorts, Lilith Frey, wünschte (ihre Wünsche wurden erfüllt, was ich in Ordnung fand - sie hatte es sonst schon nicht einfach als sogenannte «Lebensfreundin» von Frank A. Meyer).

Am folgenden Tag respektive Abend fand die Swiss-Award-Gala statt (im Hallenstadion in Zürich Oerlikon). Vergangenes Jahr schrieb MvH darüber in dieser Spalte: «‹Groundhog Day› (‹Und täglich grüsst das Murmeltier›. Sie wissen schon, ein zynischer TV-Wetteransager sitzt in einer Zeitschleife fest, er durchlebt albtraumhaft wieder und wieder denselben Tag, den Tag des Murmeltiers; Wikipedia).» Dieses Jahr schreibt er: Die Ausstrahlung der Veranstaltung lässt nach. Ich denke, das hat weniger mit Roger de Weck zu tun, dem Generaldirektor der SRG, mehr mit «Und täglich grüsst das Murmeltier». Was ich sagen will: Jedes Volk hat die Berühmtheiten, die es verdient (und wir haben, zudem, wenig neue). An die Gala, die heuer zum zehnten Mal abgehalten wurde, fahren nicht einmal mehr alle, die einen Award bekommen könnten (Peter Spuhler, Nominierter der Kategorie Wirtschaft, blieb in St. Moritz; Gewinner: Carl Elsener, Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats Victorinox). «Schweizer des Jahres», nebenbei, wurde Didier Cuche (er fuhr auch nicht hin). Den MvH-Mobilitäts-Award würden Bastien Girod (NR, Grüne) und Ellen Tkatch, seine Verlobte, gut aussehend sowie rothaarig, verdienen – sie waren am Vorabend ebenfalls in St. Moritz im «Kulm» gewesen.

Die gute Nachricht aus Zürich: Am Donnerstag kommender Woche (26. ds. M.) findet im «Meylenstein» in Zürich-Tiefenbrunnen die nächste Promi-Interview-Night von MvH statt. Sein Gaststar ist Roman Camenzind, Schweizer Musik-Hit-Produzent. Es geht im Gespräch darum, ob es Schweizer schaffen, Hits zu produzieren (20.00 Uhr).