Meine Mandelblüte
Unser Kolumnist gibt Tipps für wärmere Tage. Und berichtet über das neue Angebot eines Restaurants in Zürich.
Anderswo ist Frühling - San Carlos, Ibiza, Sonntag, 19. Feb., 14.34 Uhr.Vergangene Woche war ich in Ibiza (Wetter sonnig bis heiter mit zeitweise einigen Wolken. Temperatur am Tag bis achtzehn, in der Nacht gegen fünf Grad). Mit anderen Worten, wie sie Ihr Kolumnist als Tweet verbreitete: «Wenn man in Zürich lebt, braucht man einen zweiten Wohnsitz» (wer ihm auf Twitter folgen möchte, um solche «Einsichten» oder Sätze zeitnah zu erhalten: @MyMvH). Twitter ist eine merkwürdige Geschichte, in meinen Augen – die Zahl von Leuten, die mir folgen, steigt an, obwohl ich nicht besonders viele Textbotschaften verbreite, sondern einfach so (das heisst, vielleicht nicht «obwohl» , sondern «weil»).
Die gute Nachricht, für mich wenigstens, zum Anfang: «Auf Ibiza blühen die Mandeln», schreibt Dieter Abholte, Chefredaktor von Ibiza heute, dem deutschsprachigen Monatsmagazin, mit dem ich nicht bekannt bin, der aber von Beruf ungefähr das Gleiche macht wie ich (Magazine also, in denen die Welt schön und gut ist), in der aktuellen Ausgabe («und die Mandelblüte bedeutet: Der Frühling ist da»). Die nicht so gute Nachricht: Häuser auf den Inseln, inklusive das von yours truly, sind irgendwie ähnlich gebaut wie das Stadion Letzigrund in Zürich – im Innern ist die Temperatur zirka fünf Grad niedriger als draussen (ausser im Sommer), so fühlt es sich an. Doch das ist kein Problem, das eine Heizung, die hier fast keiner hat, respektive ein elektrischer Ölofen (zum Beispiel von Orbegozo, für 42.48 Euro) je Stockwerk nicht lösen könnte.
Was mir bereits früher aufgefallen ist: Die lautesten Open-Air-Veranstaltungen finden statt, wenn nicht Saison ist, um Touristen nicht zu stören, denke ich. Die Musik der «Friki Party» (wegen Fasnacht, meist gesehene Verkleidung: superheroes) auf der Plaza del Parque (150 Meter entfernt vom Schlafzimmer Ihres Kolumnisten) jedenfalls spielte bis 2.30 Uhr, manche Gäste blieben bis 4.30 – «diese Lebensfreude der Spanier» (oder Katalanen), möchte man schreiben, doch vermutlich war ihnen bloss zu kalt in ihren Häusern (man nennt das, was ich in diesem Abschnitt mache, «Jammern auf hohem Niveau», ich weiss).
Für Leser, die sich vielleicht im Augenblick in den Skiferien befinden und Zeit haben, Frühjahrs- und/oder Sommerferien zu organisieren: Ibiza wird auch dieses Jahr eines der besten Reiseziele sein, denke ich, aber ich bin Partei (was in Ordnung ist, ich meine, das ist die Weltwoche). Ricardo Urgell, dem das «Pacha», ein Nachtklub, gehört, hat das «The One»-Hotel am Strand von Talamanca gekauft. Im Mai soll es, falls alles gut und schnell geht, neu eröffnet werden. Sein Plan ist, ein Haus zu bieten, das Gäste nicht zu verlassen brauchen, weil es alles gibt in der Anlage – ausser Zimmer auch einen Strand, Swimmingpools, Bars, Diskotheken mit super Discjockeys . . . Kurz, dasselbe, was einem im «Ushuaïa Beach Hotel» am D’en-Bossa-Strand, ganz in der Nähe, geboten wird. MvH findet diese Entwicklung richtig, aus zwei Gründen: Je mehr Leute, die nur auf die Insel reisen, um sich in Bars und Diskotheken aufzuhalten, kaserniert sind sozusagen, desto besser. Zweitens, in solchen Anlagen beginnt das Entertainment früh, um 17.00 Uhr oder so, und hört früh auf (um Mitternacht), was einem entgegenkommt, falls man auch einmal hinmöchte.
In Zürich, höre ich, soll ein Restaurant neu sogenannte small plates (kleine Portionen) verkaufen (es gibt bereits genug Lokale, schon klar, die zu wenig Essen für zu viel Geld loswerden wollen, doch dieses Mal ist es anders, hoffentlich). Das Hotel «Greulich», in dem sich auch ein Restaurant befindet, soll bald von Franz-Xaver Leonhardt, mit dem ich ein wenig bekannt bin und der in Basel das Hotel «Krafft» betreibt, geführt werden. MvH mag small plates, Tapas, im Grunde. Unter einer Voraussetzung: Die Preise dafür sollten einstellige Frankenbeträge sein. In diesem Fall könnte man vier, fünf verschiedene Speisen bestellen und mit anderen teilen. Und bekäme dann das, was man in einem meiner liebsten Restaurants in Ibiza, dem «Bidebide» (blöder Name, finde ich ebenfalls; Tisch reservieren lassen ist schwierig, früh hingehen einfacher) auch bekommt: eine feine Auswahl und die Möglichkeit, etwas zu probieren, das man für zwanzig oder dreissig Franken nicht probieren würde (mit anderen Worten, es geht hier um etwas, über das ich immer wieder schreibe, weil es mich stört: Die zu hohen Preise in Restaurants in Zürich und im Rest der Schweiz, nämlich). Im «Bidebide» – die ersten zwei Betriebe liegen in San Sebastian; kochen können sie, die Basken – empfehle ich gebratene Foie gras mit Apfelpüree (2.60 Euro) oder Dorschkloss und Paprika mit Ziegenkäse (3.10 Euro). Besitzer des «Greulich», nebenbei, ist Thomas Brunner, der Vater des ehemaligen Redaktors dieser Kolumne, Simon Brunner (arbeitet jetzt für McKinsey & Company).
Zum Schluss drei Zeilen Weltkulturerbe oder so: Leonard Cohen hat ein neues Album, «Old Ideas». Ich mag und empfehle es.


